Branchenüberblick: Private Endkunden

Nov 13, 2020

Ein Brancheneinblick für Make-up Artists in den Bereich private Endkunden

Ein Brancheneinblick für Make-up Artists in den Bereich private Endkunden

Wie ist es, mit privaten Endkunden zu arbeiten?

Die private sowie persönliche Betreuung von Endkunden ist herausfordernder, als du vielleicht denkst. Aber dafür bekommst du auch eine Menge an guten Dingen zurück. Sei dir bewusst, dass du dich hauptsächlich auf einer sehr persönlichen Ebene deinen Kunden näherst! Gerade weibliche Kundinnen hadern oft mit ihrem Aussehen, gehen sehr kritisch mit sich sowie ihrer Wirkung nach außen um.

Aber genau darin liegt deine Chance, Sinn in deiner Arbeit als Make-up-Artist zu sehen, wenn du genau diesen Menschen etwas Gutes tust und ihnen dank deiner Arbeit ein gutes Gefühl gibst! Du kannst ihnen eine entspannte Zeit bieten, sie durch aktives Zuhören näher kennenlernen und dadurch wertvolle Anregungen für deine Arbeit sammeln: Welcher Typ Mensch ist das überhaupt? Laut? Leise? Schüchtern und verletzlich oder eher Typ Rampensau auf der Suche nach dem ganz großen Auftritt?

Lache bitte nicht, du bist so etwas wie eine gute Freundin und Therapeutin zugleich in dem Moment! Du erkennst die Stärken deiner Endkunden, arbeitest diese heraus und verschaffst ihnen durch ein typgerechtes passendes Styling zu mehr Mut und Selbstbewusstsein. Sie lernen so, ihre eigenen Vorzüge mehr zu schätzen, sodass sie sich in ihrer Haut wieder wohlfühlen. Das Ergebnis ist Dankbarkeit und das Strahlen in ihren Augen – von innen heraus … und nicht nur durch das Make-up.

Gerade diese persönliche Erfahrung wird für dich einen sehr emotionalen Wert haben. Das macht deine Arbeit so erlebbar und schön. Du kannst mit deinen Fähigkeiten anderen etwas Gutes tun. Diese Wertschätzung kannst du hauptsächlich bei der Arbeit mit Endkunden im privaten Bereich erleben.

Selfi mit einer KundinFoto: Anne Kaiser

Aber nicht nur das! Zudem ist deine Arbeit mit Endkunden besser planbar und gut zu organisieren. Durch immer wiederkehrende Routinen kannst du ziemlich genau einschätzen, wie lange du für deine Dienstleistung brauchst. Termine werden mit einer gewissen Vorlaufzeit und ausschließlich nach Absprache vereinbart. So behältst du stets den Überblick und kannst es wunderbar steuern, wann du genau arbeiten möchtest und zeitlich zur Verfügung stehst. Du arbeitest hauptsächlich tagsüber und kannst deine Preise klarer kalkulieren als bei anderen Branchen bzw. Auftraggebern.

Außerdem hast du in diesem Endkundensegment viele interessante Möglichkeiten: Brautstylings, Workshops oder allgemeine Stylings.

Innerhalb der Endkundenbranche kannst du viele verschiedene Dienstleistungen etablieren und dabei selbst bestimmen, wie dein Angebot aussehen soll. Du bist dein eigener Chef und bestimmst, wie viel Zeit du dir nehmen und nach welchen Werten du arbeiten möchtest. Du kannst zudem deine Zielgruppe bestimmen, um nur mit Lieblingskundinnen und -kunden zusammenzuarbeiten. Wie du dich definierst und wofür du nach außen bekannt sein möchtest, liegt ganz allein an dir.

Die Arbeit als Brautstylistin

Zukünftige Bräute planen ihre Hochzeit oft weit im Voraus. Je nach Region beginnen die Vorbereitungen schon ca. 1,5 Jahre im Vorfeld. Dementsprechend früh erfolgen auch die Anfragen für ein Brautstyling. Es folgen Kennenlernen-Gespräche, die Konkretisierungsphase, auf welchen Style man sich gemeinsam einigt und nach einem Probetermin schließlich das Hochzeitsstyling. Während dieser langen Zeit und den ganzen Terminen baust du dementsprechend eine gute und sehr persönliche Bindung zu deiner Kundin auf. Und Aufregung sowie Herzklopfen gehören verständlicherweise nicht nur bei der zukünftigen Braut, sondern auch bei dir dazu.

Gerade zu Beginn deiner Brautstyling-Karriere verspürst du einen Adrenalinkick sowie einen gewissen Druck, ein wirklich tolles Endergebnis abzuliefern und damit die Braut glücklich zu machen. Nicht nur, dass das Styling den ganzen Tag halten soll, auch die Arbeit muss zeitlich gut eingetaktet sein, um nicht in Zeitnot und Stress zu geraten. Du trägst nicht unerheblich zum Erfolg der Hochzeit bei. Oft sind darüber hinaus mehrere Personen inkl. Fotograf im Raum, die interessiert auf die Entstehung deines Werks gespannt sind und eventuell auch mal ungefiltert ihre Meinung kundtun. Hier gilt es, dass du einen kühlen Kopf bewahrst und an deine Fähigkeiten glaubst, denn schlechter Geschmack oder auch durchaus mal kritische Kommentare sollten dich und deine Kundin nicht vom vereinbarten Weg abbringen.

Aber dafür bist du mit deiner Arbeit an einem sehr besonderen Tag ein wichtiger Bestandteil eines sehr intimen Moments. Gerade beim emotionalen Augenblick, wenn die Braut ins Kleid schlüpft, sind ihr Feedback sowie das von Verwandten und engen Vertrauten oft sehr liebevoll und berührend.

Neben der emotionalen Belohnung tust du darüber hinaus etwas für deine Akquise und erarbeitest dir neben einem guten Ruf aussagekräftige Referenzen. Die Einwilligung vorausgesetzt, darfst du oft auch Bilder vom Hochzeitspaar veröffentlichen.

Beim erstellen einer Brautfrisur Foto: Veronika Anna Fotografie

Workshops geben

Viele deiner möglichen Kunden möchten lernen, wie sie sich richtig schminken können. Mit welchen Techniken können sie ihre Augen besser betonen? Welche Foundation Farbe ist die richtige, um natürlich wirkend kleinere Unebenheiten zu kaschieren und farbliche Unregelmäßigkeiten auszugleichen? Wie sieht man nicht überschminkt aus? Welche Farben stehen einem?

Hierbei kannst du die einzelnen Themen individuell zusammenstellen und auch die Dauer der Workshops bestimmen. Möchtest du nur Einzelkurse geben oder lieber Gruppenkurse? Möchtest du direkt vor Ort Seminare abhalten oder eher Online-Kurse bzw. Video-Schulungen anbieten? Interessant ist es auch, mit Make-up-Marken zusammenzuarbeiten und deren Produkte zu promoten bzw. zu verkaufen. Dasselbe geht natürlich auch für Hairstyling-Kurse.

Letztendlich hast du größeren Erfolg mit einem breit aufgestellten Kursangebot. Als charmanten Nebeneffekt kannst du hierbei auch auf dich sowie deine Leistungen aufmerksam machen und Kunden für deine anderen Services (Brautstylings oder allgemeine Stylings für besondere Anlässe) gewinnen.

Beim erklären wie ein Make-up aufgebaut istFoto: Sindia Boldt Photography

Kunden für besondere Anlässe und Fotoshootings stylen

Vielleicht träumst du von einem eigenen kleinen Studio, in dem Kunden sowie Kundinnen einfach einmal spontan hereinkommen können, um sich beraten zu lassen (die beispielsweise freitagabends ausgehen möchten und sich dafür stylen lassen wollen).

Aber auch Stylings für Fotoshootings kannst du bei privaten Endkunden gut übernehmen. Beispielsweise sind wie für große Zeitschriften auch privat Babybauch-, Pärchen-, Familien-, Mode-, Akt-, Business- oder Kalendershootings möglich. An Halloween oder an Fasching kannst du dich zudem so richtig kreativ austoben, wenn deine Kunden mit ein wenig Mut einmal etwas Außergewöhnliches ausprobieren möchten.

Upsell: Produktverkauf

Es bietet sich immer an, auch Produkte namhafter Hersteller in dein Sortiment aufzunehmen und sie zu verkaufen. Schließlich sitzen deine Kunden bei einer Expertin auf dem Stuhl, die sie professionell stylt. Das verwendete Produkt wird fühlbar und man fasst Vertrauen in deine Empfehlungen. Hierbei kannst du dich für eine Marke im Direktvertrieb entscheiden oder auch markenunabhängig arbeiten.

Wie viel verdient man als Make-up-Artist mit privaten Endkunden?

Mach auf dich aufmerksam! Es liegt an dir, wie erfolgreich du bist und wie gut du dich und deine Dienstleistungen „verkaufst“ bzw. diese bewirbst. Orientiere dich an erfolgreichen Make-up-Artists und bedenke bitte immer, dass deine gute Arbeit auch fair entlohnt werden sollte.

Neben der Mund-zu-Mund-Propaganda, wo du weiterempfohlen wirst, kannst du als Anfänger auch mit einer professionellen Website mit ansprechenden Bildern, Videos, Blogeinträgen und Texten sowie aussagekräftigen Referenzen Kunden für dich gewinnen. Investiere hierbei ruhig ein paar Euro in Weiterbildungen im Bereich Suchmaschinenoptimierung und Webdesign oder lasse deine Website direkt von einem Profi erstellen.

Denn erst wenn die Kunden dich finden, können Sie dich auch buchen. Daher ist dieser Step entscheidend, wie schnell und auf welchem Rang du in der Google-Suche platziert wirst. Hast du bereits viele Websitebesucher, aber die Anfragen bleiben aus, liegt es oft daran, dass dein Angebot bzw. deine Bilder nicht ansprechend genug sind.

Wenn das alles professionell und gut umgesetzt ist, kannst du relativ schnell an Kunden kommen. Da du deine Zielgruppe und Preise selbst bestimmt, bist du auch hier frei in der Gestaltung deines Verdienstes.

Welche Voraussetzungen benötigst du für die Arbeit mit privaten Endkunden?

Die handwerklichen Skills & Kenntnisse:

  • Ausbildung zur Visagistin/zum Visagisten, besser noch: Make-up-Artist
  • Hairstyling-Ausbildung
  • Farb- und Stilkenntnisse für ein typgerechtes Styling von Vorteil

Die Referenzen und das Portfolio:

  • aussagekräftiges Portfolio mit verschiedenen Stylings (z.B. Vorher-/ Nachher-Bilder)
  • Bilder von Brautfrisuren und Braut-Make-ups (styled Shootings, getting Readys usw.)
  • Bilder von Workshop-Situationen
  • Imagebilder von dir, dem Studio und Produkten, ggf. auch ein Imagevideo
  • ggf. Zitate von zufriedenen Kunden

Die persönlichen Eigenschaften

  • gutes Zeitmanagement (vor allem bei Brautstylings)
  • organisierte und strukturierte Arbeitsweise
  • emphatische Kundenkommunikation
  • serviceorientiert mit klaren Absprachen
  • selbstbewusst und verhandlungssicher

Wie starte ich mein Unternehmen als Make-up-Artist für Endkunden?

Auf jeden Fall solltest du dich viel im Bereich Unternehmertum und Marketing (Social Media, Suchmaschinenoptimierung, …) weiterbilden und dir auch im kaufmännischen Bereich wichtige Kenntnisse wie Kalkulation, Buchführung etc. aneignen.

Eine richtige Preiskalkulierung ist genauso wichtig wie ein schlüssiges Businesskonzept. Hierfür reicht für dich aus meinen eigenen Erfahrungen das Business Model „ Canvas“ völlig aus, denn es muss kein seitenlanger Businessplan sein.

Steht das Konzept, empfehle ich dir, ein bis zwei Image-Shootings zu organisieren, um an gute Bilder für deinen Onlineauftritt zu kommen. Welche Bilder du im Portfolio haben solltest, wie du selbst Shootings organisierst und woran du gute Fotografen, Models und Bilder erkennen kannst: Das und noch vieles mehr bringe ich dir gerne in meinem Onlinekurs „Bilder & Shootings“ bei.

Du möchtest die Stärken der sozialen Medien nutzen? Wie du deine Referenzen für Social Media geschickt in Szene setzt, wie Texte aufgebaut sein sollten und wie du deinen Content aufbereitest, erfährst du in meinen Onlinekurs „Social Media Auftritt“.

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