Das Portfolio – dein Aushängeschild als Make-up Artist

Sep 7, 2020

In diesem Artikel gibt Alexandra Lederer dir Tipps, wie du dein Portfolio aufbauen kannst und Shootings organisierst.

In diesem Artikel gibt Alexandra Lederer dir Tipps, wie du dein Portfolio aufbauen kannst und Shootings organisierst.

Alexandra Lederer als Profilbild

Die Gastautorin:
Alexandra Lederer
Hair- & Make-up Artist seit 2013
Instagram: alexandralederer.makeup

Aller Anfang ist schwer

Wenn du gerade erst mit deinem Make-up Artist Business startest, kann es schwer sein, Fotografen und Models zu finden, die mit dir arbeiten wollen. Das ist so ein bisschen wie bei beliebten Jobangeboten, bei denen du eine gewisse Erfahrung vorweisen musst, um eingestellt zu werden. Doch wie soll man diese Erfahrung sammeln, wenn man ohne sie nicht eingestellt wird? – Ein Teufelskreis.

Zum Glück gibt es heutzutage ein paar Dinge, die dir den Start erleichtern:

Handys mit hochauflösender Kamera:

Schnapp dir einfach ein paar deiner Freunde und Familienmitglieder, verpasse ihnen ein tolles Styling und fotografiere das Ergebnis mit deinem Handy. Worauf du dabei achten solltest, ist, dass das Foto gut ausgeleuchtet ist. Am besten eignet sich dafür Tageslicht – und es ist auch noch kostenlos 😉

Social Media:

Instagram ist genau dafür designed worden, schöne Fotos zu präsentieren. Auch wenn du noch keine Webseite hast, Instagram ist perfekt dafür geeignet, dein Portfolio mit der Welt zu teilen.

Facebook Gruppen:

Es existieren unzählige Facebook Gruppen, in denen du dich mit Gleichgesinnten connecten und TFP Shootings organisieren kannst. Suche einfach nach Gruppen, die „TFP“, „Shootings“, „Fotografen“, „Models“, „Visagisten“ und deine Stadt oder dein Bundesland enthalten. Genauso habe ich auch meine ersten Shootings an Land gezogen!

Ein Shooting bringt dir mehr als nur die Bilder

Anfangs ist es noch schwer zu entscheiden, in welcher Branche du dich etablieren möchtest. Deshalb teste ruhig verschiedene Branchen durch, um herauszufinden, was dir am meisten Spaß macht und worin du am besten bist.

Ich habe nach meiner Ausbildung zum Make-up Artist fast jede Shootinganfrage angenommen, um Erfahrung zu sammeln und zu networken. Es sind zwar nicht immer Fotos dabei entstanden, die ich auch zeigen wollte, aber du darfst nicht unterschätzen, wie wertvoll solche Shootings trotzdem sein können.

  • Du hast die Möglichkeit, zu üben, damit du sicherer und schneller arbeiten kannst.
  • Du sammelst Erfahrung, wie solche Shootings ablaufen und wann du Haare oder Make-up beim Fotografieren korrigieren solltest.
  • Du lernst unglaublich viele kreative Menschen kennen, mit denen auch richtig gute Freundschaften entstehen können.
  • Fotografen werden dich in Zukunft buchen, wenn sie Kundenanfragen haben.
  • Models werden dich weiterempfehlen, wenn ihnen deine Arbeit gefällt.
  • Du bildest einen Pool an Models, die du für bestimmte Projekte anfragen kannst.

Deshalb sei nicht verärgert, wenn die Fotos ersteinmal nicht so werden, wie du sie dir vorgestellt hast. Versuche dich möglichst professionell und freundlich zu verhalten, damit du in Zukunft davon profitierst. Außerdem sind gute Making-Of Bilder mit dem Handy sehr gut geeignet, um sie auf Social Media zu veröffentlichen.

zeigt einen Promi während dem schminken

Worauf du beim Portfolio Aufbau achten solltest

Wenn du schon ein bisschen mehr Erfahrung gesammelt und deinen Stil für dich gefunden hast, solltest du dir die Fotografen, mit denen du zusammenarbeitest, gut auswählen.

Irgendwann hast du schon eine solide Menge an Fotos für dein Portfolio gesammelt, sodass du dich für eine Richtung entscheiden kannst. Falls du zum Beispiel in die Beauty Richtung gehen willst, bringt es dir nichts mit einem Fotografen zu arbeiten, der nur Ganzkörper Fashion Fotos macht. Sei selbstbewusst genug, um zu Anfragen auch mal „Nein“ zu sagen.

Das viel mir am Anfang besonders schwer, weil ich Shootings auch immer wegen den oben genannten Faktoren gerne mache. Ich musste mir bewusst machen, dass ich die Zeit besser nutzen kann und dass ich vom TFP-Zug abspringen muss, um wirklich davon leben zu können.

So viel Spaß es auch macht, im Endeffekt ist das unser Job mit dem wir unsere Miete bezahlen müssen. Ständig nur TFP-Shootings zu organisieren, bezahlt nun mal keine Miete.

Meine Tipps für die Shooting Organisation

Meistens bekomme ich Anfragen von Fotografen oder Models und wäge dann ab, ob ich das Shooting machen möchte oder nicht. Damit ich aber selbst dafür sorgen kann, dass die Ergebnisse mein Portfolio bereichern, organisiere ich die Shootings selbst.

Meine Tipps, wenn auch du ein Shooting organisieren möchtest:

  • Recherchiere auf Instagram nach geeigneten Fotografen, indem du die Suchfunktion mit Hashtags wie „Munichphotographer“ nutzt oder direkt nach Personen suchst.
  • Eine weitere Möglichkeit ist bei anderen Visagisten und Fotos, die dir gefallen, nachzusehen, wer als Fotograf verlinkt ist.
  • Models kannst du genauso finden oder du schreibst eine Modelagentur an, hängst das Moodboard an und sie schlagen dir Models (meistens Newcomer) vor.
  • Auch wenn bei den meisten Fotografen „kein tfp“ in der Bio steht, habe ich schon oft mit genau diesen Fotografen gearbeitet. Trau dich einfach zu fragen und sorge dafür, dass du ein super Model und Moodboard hast, damit die Fotografen es gar nicht ausschlagen können.
  • Erstelle ein ansprechendes Moodboard: Ich nutze dafür am liebsten Pinterest und verschicke dann den Link des Pinterest Boards. Du kannst die Bilder aber auch in ein Word Dokument einfügen und als PDF speichern.
  • Für das perfekte Styling ist es super hilfreich auch einen Stylisten dabei zu haben. Wenn du niemanden findest, kannst du Kleidung und Accessoires online bestellen oder kaufen und nach dem Shooting wieder zurückgeben. Das Model kann dir dabei auch oft helfen.
  • Wenn ihr genug Zeit habt, versucht gleich eine Serie zu shooten, die du bei einem Magazin einreichen kannst. Dafür sind meistens mindestens sechs verschiedene Fotos mit einem zusammenhängenden Thema nötig. Diese kannst du anschließend über Seiten wie https://kavyar.com/ easy einreichen.
  • Bei https://kavyar.com/ gibt es auch Ausschreibungen für bestimmte Themen. Diese kannst du vor der Planung durchgehen und das Shooting darauf abstimmen.
  • Eine Veröffentlichung in einem Online Magazin wird zwar meistens nicht bezahlt, du kannst sie aber als Referenz benutzen. Es wirkt immer professioneller, wenn ein Magazin Druck auf dem Bild zu sehen ist.
  • Ich persönlich komme mit Shootings die 5-6 Stunden dauern am besten zurecht. Bei längeren Shootings kann ich mich nicht mehr so gut konzentrieren. Teste für dich aus, was deine Konzentrationsfähigkeit hergibt.
zeigt ein Editorial für ein Magazin

Was macht ein gutes Portfolio aus?

Ein gutes Portfolio sollte natürlich qualitativ hochwertige Fotos enthalten. Das bedeutet, die Auflösung, das Licht und die Bearbeitung stimmen. Zu stark bearbeitete Bilder, auf denen man sofort erkennt, dass die Haut weichgezeichnet wurde und keine Poren zu erkennen sind, sind total altmodisch und wirken unprofessionell.

Beachte bei der Auswahl von Models auch, dass sie gut zur Branche passen. Nicht jeder hat ein Beauty Gesicht oder kann gut für Fashion Bilder posen.

Außerdem sollte dein Portfolio einen Wiedererkennungswert haben. Wenn du deine Branche gefunden hast und die richtigen Fotografen und Models aussuchst, sollte man deine Handschrift auf den Foto sehen können. Du musst gar nicht tausend verschiedene Make-ups und Stylings zeigen. Es ist sogar besser, wenn du deinen Stil findest und diesen mit kleinen Abwandlungen immer wiederholst. Dann wirst du schneller erfolgreich werden, weil du für deinen Stil bekannt wirst. Ein gutes Beispiel dafür ist die Fotografin Tamara Williams, die immer dieselben Ausschnitte mit demselben Licht und relativ natürlichem Make-up zeigt und damit in kürzester Zeit sehr erfolgreich wurde.

Der Sprung von TFP zu bezahlten Jobs.

Um an bezahlte Jobs zu kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Entweder du hast die richtigen Connections (Networking ist so viel wert!), du wirst sehr erfolgreich durch Social Media und vermarktest dich selbst oder du kommst in eine Agentur.

Um in einer Agentur aufgenommen zu werden, kannst du dich einfach bewerben. Dafür schickst du dein Portfolio mit und schreibst ein paar Sätze zu dir. Wenn du Glück hast und die Agentur noch Make-up Artisten aufnimmt und ihnen deine Arbeit gefällt, laden sie dich zu einem Gespräch ein.

Danach musst du meistens erst für eine gewisse Zeit assistieren und von den anderen Make-up Artisten der Agentur lernen. Das kann ein langer Weg sein und ist nicht so easy, weil die meisten Agenturen schon voll sind.

Ein anderer Weg ist, sich selbst zu vermarkten, indem du dir einen professionellen Online Auftritt schaffst. Auf diese Weise werden Kunden auf dich aufmerksam und buchen dich direkt. Das hat den Vorteil, dass du alles selbst bestimmen kannst und von der Gage keinen Prozentsatz an die Agentur abgeben muss. Andererseits musst du auch alles selbst organisieren. Es hat also seine Vor- und Nachteile.

Heutzutage ist es meiner Meinung nach also nicht mehr unbedingt nötig in eine Agentur zu kommen. Es kommt aber sehr auf deine individuellen Wünsche an.

Ich wurde schon von einer Agentur eingeladen, habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich meine Brautstylings hätte aufgeben müssen und alle meine Kunden, die mich bisher gebucht haben, hätten einen Aufpreis für die Agentur zahlen müssen.

Deshalb habe ich es mir jetzt zum Ziel gemacht, anderen Make-up Artisten zu zeigen, wie sie mit der Kombination aus den nötigen Make-up Techniken und Business Tools ihren Online Auftritt selbst professioneller gestalten können. Mehr Informationen dafür findest du auf meiner Webseite.

www.alexandra-lederer.de