Erfahrungen und Fehler als selbstständiger Make-up Artist

Aug 26, 2020

Erkenntnisse und Tipps zu Steuernachzahlungen, Auftraggeber, mündliche Zusagen und warum 120 Euro Tagesgage viel zu wenig ist.

Erkenntnisse und Tipps zu Steuernachzahlungen, Auftraggeber,
mündliche Zusagen und warum 120 Euro Tagesgage viel zu wenig ist.

Niemand sagt einem, was wichtig ist und an was man als selbstständiger Hair- & Make-up Artist denken sollte. Auch ich habe aus Unwissenheit grobe Fehler gemacht. Immerhin habe ich daraus gelernt, die Alarmglocken gehen früher an und ich kann diese Erfahrungen an dich weitergeben.

Jeder Make-up Artist macht unterschiedliche Erfahrungen und Fehler. Durch meinen Austausch mit vielen Kollegen kann ich dir in diesem Artikel vier Fehler zusammenfassen und mit meinen Erfahrungen und Tipps ergänzen.

#1 Steuernachzahlungen

Meine Erfahrung:

Ich hatte zu kurzfristig gedacht und habe mein Kontoguthaben komplett aufgebraucht, da ich mehr Ausgaben als Einnahmen hatte. Eineinhalb Jahre später, als ich die Umsatzsteuererklärung abgegeben hatte und das Finanzamt 2200 Euro einziehen wollte, hatte ich das Geld nicht parat. Auch die 800 Euro Einkommenssteuer hatte ich nicht zur Seite gelegt.

Mein Learning: Zwei Rücklagekonten, eines für die Umsatzsteuer und das zweite für Einkommenssteuer bilden und lieber überlegen, wie ich an mehr Aufträge komme. Einfach langfristig denken.

Mein Tipp:

Ich habe mein Geschäftskonto bei Kontist. Bei dieser Bankingapp kann ich direkt die Einnahmen in folgende Kategorien einteilen:

  • Geschäftsausgabe mit 19 %
  • Geschäftsausgabe mit 7 %
  • Geschäftsausgabe mit 0 %
  • Privatentnahme

Kontist bucht daraufhin direkt die Umsatzsteuer auf das Rücklagekonto. Außerdem habe ich eingerichtet, dass automatisch 20 % auf das Steuerrücklagenkonto fließen.

So sehe ich immer direkt, was wirklich mir gehört. Meistens benötige ich dann doch nicht meine 20 % Rücklage für die Steuer und freue mich dann. Wenn du dich für diese kostenlose Bank interessierst, dann nutze gerne den folgenden Link, so erhalten wir beide 50 Euro als Dankeschön: Mehr Infos zu Kontist

#2 Nur einen Auftraggeber haben

Meine Erfahrung:

Ein regelmäßiger Auftraggeber buchte mich zwischen 10 und 17 Tagen pro Monat und ich war sehr froh darüber. Nach den ersten 2 Jahren begann ich aber, mich mehr auf andere Jobs zu konzentrieren und reduzierte die Tage immer mehr. Denn wenn dieser Auftrag einmal wegfallen sollte, dann stünde ich wieder bei nahezu null. Daher fing ich an, dieses Risiko aufzuteilen und eines Tages kam es zu diesem Szenario: Der Unterrichtsausfall für ein komplettes Quartal betrug über 80 %! Aufgrund von zu wenigen Kursanmeldungen wurden alle bereits gebuchten Tage für die nächsten drei Monate storniert. Die Mitteilung kam mit 14 Tagen sehr kurzfristig.

Mein Tipp

Am Anfang freut man sich über feste, regelmäßige Buchungen über einen Auftraggeber. Das ist auch toll, schließlich ergibt das ein Gefühl von Sicherheit. Dennoch solltest du dein Einkommen auf mehrere Auftraggeber verteilen. Denn sonst bist du abhängig und stell dir mal vor, deine Haupteinnahmequelle fällt aus. Akquiriere viele weitere feste Kunden und verlasse dich nicht auf einen.

#3 120 Euro Tagesgage klingt am Anfang viel, ist aber unternehmerisch gesehen viel zu wenig

Je regelmäßiger ein Job ist, desto niedriger ist die Tagesgage. Das gilt übrigens auch für Referenzen: Je besser der Job für die Referenzliste ist, desto mehr reduziert sich die Gage.

Meine Erfahrung:

Ich arbeitete sehr viel und füllte die verbleibenden freien Tage oft mit zusätzlichen Shootings. Durch einen regelmäßigen Auftraggeber, der mich Sicherheit brachte, verdiente ich 120 Euro netto am Tag. Als frisch-Selbstständige und ehemals Angestellte empfand ich diesen Tagessatz als fair. Am Counter verdiente man schließlich auch nur 80 bis 120 Euro. Da war ich schon ganz gut dran, meinte ich.

Mein Tipp:

Hinsetzen und kalkulieren. Wenn man die Fahrt- und Vorbereitungszeit mit einkalkuliert, auf welchen Stundenlohn kommt man? Wenn ich für 120 Euro 7 Stunden arbeite und für die Hin- und Rückfahrt eine Stunde unterwegs bin, komme ich auf einen Stundenlohn von nur 13,33 Euro. Davon müssen nicht nur die Beiträge zur Krankenversicherung (ca. 14,5 % = 1,98 Euro) bezahlt werden, sondern auch für die Rente und allgemein Rücklagen gebildet werden. Wenn man all das berücksichtigt, kam ich bei meiner Kalkulation auf einen Stundenlohn i.H.v. knapp 9 Euro. Fast Mindestlohnniveau aber ohne Urlaubsanspruch, Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall und keine Jobsicherheit. Welche Steuern auf dich zukommen, habe ich dir auch in einem Artikel zusammengefasst: zum Artikel

Zusätzlich musste ich mich auf den Job vorbereiten und war Ansprechpartner bei Fragen. Das so schwarz auf weiß zu sehen, erleichterte mir meine zukünftigen Entscheidungen für Jobanfragen.

#4 Mündliche Zusagen sind unverbindlich

Meine Erfahrung:

Es werden Zusammenarbeiten geplant und sie klingen immer toll und man ist Feuer und Flamme. Leider steckt selten was dahinter. Viele Reden nur und Machen nichts.

Mit mündlichen Jobanfragen ist es dasselbe: Tolle Anfragen, die gut Geld einbringen würden und auch noch eine gute Referenz wären. Du blockst dir die Termine, sagst bereits anderen ab und schlussendlich kommt der Auftrag doch nicht zustande.

Mein Tipp:

Erstelle im Anschluss einer Besprechung einfache Angebote mit Angabe des Buchungsdatums, welches du für einen bestimmten Zeitraum freihältst. Das kommunizierst du direkt auf dem Angebot und / oder die Folgen erläuterst du in deinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Erst durch eine Auftragsbestätigung oder Anzahlung werden sie zu festen Buchungen. So schützt du dich vor spontanen Absagen und Unverbindlichkeiten. Das gilt auch für Kooperationen, für die du eine Vereinbarung aufsetzen kannst.

Halte einfach immer alles schriftlich fest, um mehr Verbindlichkeit reinzubringen.