Interview mit Kassandra: IMAMUA, Valencia & dein Beruf als Make-up Artist.

Aug 7, 2020

Kassandra Fröhlich, Hair- & Make-up Artist im Interview über ihre Selbstständigkeit, Erfahrungen und Stolpersteine.

Kassandra Fröhlich, Hair- & Make-up Artist im Interview über ihre Selbstständigkeit, Erfahrungen und Stolpersteine.

Person Luisa

Die Gastautorin:
Luisa Junkes
Hair- & Make-up Artist seit 2020
Instagram: luisa.makeupartist

Kassandra und Luisa haben sich zu einem virtuellem Interview verabredet, um über das Projekt aber auch Kassandras Werdegang, Erfahrungen und Stolpersteine zu sprechen.

Beschreibe dich mit drei Worten!

Ich würde auf jeden Fall sagen: lebenslustig, neugierig und empathisch!

Was genau ist eigentlich IMAMUA?

IMAMUA steht für I´m a Make-up Artist und ich möchte eine zentrale Anlaufstelle für Make-up Artists, Visagisten und Hairstylisten erschaffen. So möchte ich ihnen so den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern. Ich gebe ihnen mein Wissen weiter und sie können sich gegenseitig als Gemeinschaft unterstützen.

Warum ist IMAMUA so ein Herzensprojekt von dir?

Ich selbst hatte zu Beginn meiner Selbstständigkeit große Probleme und ich habe mich damals einfach mega überfordert gefühlt!
Ich habe nicht gewusst, was ich zuerst, oder was ich überhaupt angehen und tun soll.
Ganz am Anfang waren 10 Tage Wochen noch typisch für mich und doch habe ich jeden Monat Minus gemacht – bis ich dann irgendwann 10.000 Euro Schulden hatte.
Ich habe nach und nach durch meine Arbeit als Dozentin gemerkt, dass es nicht nur mir so geht! Es gibt so viele andere Make-up Artists, die in der gleichen Situation stecken und viele Ängste haben.
Ich habe meinen Schülern nicht nur während der Schulzeit Tipps gegeben, sondern auch danach. Wir sind einfach in Kontakt geblieben und haben uns immer mal wieder unterhalten oder sie haben mich um Rat gefragt.
Ich möchte aber einfach viel viel mehr Make-up Artists erreichen und so kam 2017 der erste Gedanke an eine Art Plattform. Die Idee musste dann insgesamt noch ausreifen. In dieser Phase habe mit vielen Make-up Artists darüber gesprochen und mir Feedback geholt. In Valencia habe ich viele inspirierende Unternehmer kennengelernt und auch mit ihnen aus unternehmerischer Sicht über die Plattform gesprochen. Dadurch wurden viele Fragezeichen in meinem Kopf gelöst und die Idee wurde konkreter.
Im Dezember 2019 ist es dann endlich losgegangen!

Du hast über 7 Monate in Valencia gelebt und von dort aus an IMAMUA gearbeitet. Wie kann man sich diese Zeit vorstellen?

Es hat erst einmal Zeit gebraucht, bis aus der Idee ein richtiges Konzept wurde. Wobei das regelmäßig angepasst wurde und teilweise komplett umgedacht werden musste. Manchmal stellt man sich Dinge einfacher vor oder viel zu allgemein. Sobald es in die Umsetzung geht, stellt man fest, dass es so nicht funktioniert. Also werden die Erkenntnisse wieder gesammelt und es ploppen neue Fragezeichen auf. Das fühlt sich zunächst wie ein Rückschritt an, jedoch ist es ein Prozess. Manchmal wollte ich am liebsten mit dem Kopf durch die Wand, anstatt neue Möglichkeiten zu suchen. Die Konzeptphase mit dem Ergebnis eines ersten Prototypens ist zwar eine sehr zeitaufwändige aber gleichzeitig auch die wichtigste Phase überhaupt.
Die Mittagspausen habe ich gemeinsam mit anderen Co-Workern in der Sonne verbracht. Diese Gespräche waren sehr anregend für die Weiterentwicklung des Konzepts. In Valencia bin ich auch richtig sportlich geworden: Beach-Morning-Workouts, einen Lauf an der Strandpromenade oder Beachvolleyball haben mir den Kopf wieder frei gemacht. Der Lockdown in Spanien mit „Hausarrest“ war eine große Umstellung für mich.

Hättest du dir am Anfang deiner Selbstständigkeit auch eine solche Plattform gewünscht?

Ja! Ich hätte mir auf jeden Fall einen Menschen gewünscht, eine Anlaufstelle oder einen Blog. Irgendetwas, wo ich Informationen finden kann, die auf den Beruf Make-up Artist zugeschnitten sind.
Ich habe mich damals todgesucht. Ich habe stundenlang recherchiert und mir von überall ein bisschen was zusammengetragen. Ich habe nicht gewusst, ob ich mich eher an den Frisören oder an der Kosmetik orientieren soll. Beides bin ich eigentlich nicht, aber nur von denen hat es Informationen in die Richtung gegeben. Also musste ich es mir auch da irgendwie zusammentragen. Das war echt anstrengend.
Da denke ich mir: Das kann doch viel einfacher sein!

Und du hast jetzt das Komplettpaket für Make-up Artists erstellt, oder?

Lacht ????Ja, ich versuche, dass es ein Komplettpaket wird.
Das, was mir damals gefehlt hat, war jemand, der mich vielleicht auch an die Hand nimmt oder mich regelmäßig motiviert.
Stell dir vor, du kannst einfach online sein und hast regelmäßigen Input. Du hast eine zentrale Anlaufstelle, weißt immer, dort findest du das und das, du kannst den und den fragen.
Durch diese Regelmäßigkeit kommt der Erfolg. Je länger du an einer Sache dranbleibst, desto motivierter bist du und du wirst deine Erfolge sehen. Es ist ein Marathon und kein Sprint!

Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus und warum wolltest du unbedingt als Hair and Make-up Artist arbeiten?

Als Kind habe ich mir gerne Spiele und Geschichten ausgedacht und auch Malen und Basteln war meine Leidenschaft. Die Kreativität war also immer ein Teil von mir und jedoch habe ich erst einmal einen vernünftigen Beruf ergriffen. „Lerne etwas Gescheites, Kind!“, so war das eben.
Mich hat es aber in der Bank eigentlich eher  das Marketing interessiert und wollte auch gerne in die Abteilung wechseln. Das ging jedoch nicht, also habe ich mir ganz viele andere Möglichkeiten gesucht, um kreativer zu sein.
Daraufhin bin ich als Hobby Model in die Fotoshooting Branche reingerutscht – so habe ich angefangen und hatte bald jedes Wochenende ein Shooting.
Dadurch habe ich die Branche kennengelernt und fand sie wirklich richtig toll. Ich habe mich wohlgefühlt und ich fand es schön, dass man zusammen etwas erschaffen kann.
Das war einfach genau der Schlag Mensch, der zu mir gepasst hat. Die Leute um mich herum waren auch alle neugierig, unkompliziert und kreativ!
Bei einem Shooting wurde ich geschminkt und schließlich dachte ich mir: Mensch, das wäre es doch eigentlich! Ein kreativer und abwechslungsreicher Beruf, den ich in dieser tollen Branche ausüben kann. Das könnte ich mir vorstellen!
Ich habe der Stylistin Löcher in den Bauch gefragt und auch andere Visagisten und Make-up Artists angeschrieben und gefragt, wie das so ist und abläuft und was ich bei der Schulsuche beachten muss.
Daraufhin habe ich angefangen, nach einer passenden Schule zu suchen. Mir war es damals wichtig, dass ich eine Schule finde, wo ich meine Ausbildung berufsbegleitend machen kann. Ich habe weiterhin Vollzeit in der Bank gearbeitet und war jeden Samstag in München auf der Schule. Unter der Woche habe ich sogar noch zwei- bis dreimal Nachhilfe gegeben, um mir das Ganze ein bisschen zu finanzieren.
Zusätzlich habe ich mir jede Woche ein TFP-Shooting organisiert, weil ich wirklich schnell in meinen neuen Beruf reinstarten wollte.
Durch die vielen Shootings hatte ich dann immer mehr Kontakte. Ich habe mich weitergebildet und schrittweise auf Teilzeit reduziert, bis ich in der Bank gekündigt und in einer Parfümerie angefangen habe, bis ich auch dort gekündigt habe.
Seit 2014, also drei Jahre später war ich komplett selbstständig.

Warum wolltest du Bräute stylen?

Weil ich im Endeffekt gemerkt habe, dass sie doch nicht so schlimm sind, wie alle sagen (lacht ????)
Am Anfang hat man immer ein bisschen Angst davor und denkt: „Oh Gott, die erwarten so viel! Da muss es perfekt sein!“ Man bekommt so viele Horrorstorys erzählt…
Bis ich dann meine ersten drei Bräute hatte – widerwillig, aber es hat Geld gebracht.
Dabei dachte ich mir: „Die sind doch eigentlich ganz nett! Das macht ja richtig Spaß!“
Also war es eigentlich Zufall. Ich habe es einfach mal ausprobiert.
Zum Glück war ich schon immer neugierig und sehr offen und habe dadurch in jeden einzelnen Bereich reingeschnuppert. Bei manchen Bereichen habe ich gemerkt, das ist überhaupt nicht meins und bei den Bräuten habe ich gemerkt, das ist total meins.
2016 habe ich mich dann auf Brautstylings spezialisiert.

Was liebst du an deinem Job als Hair- and Make-up Artist am meisten?

Ich muss sagen, dass es bei mir eher die Arbeit mit anderen Menschen ist!
Es sind die Gespräche, die man dabei führt, es ist die Bindung, die man aufbaut. Es ist das Schöne, jemand anderem mit den eigenen Fähigkeiten oder mit dem eigenen Wissen weiterhelfen zu können.
Das ist der Grund, warum ich total gerne Bräute style: Weil sie sehr sehr dankbar sind – und darum möchte ich mit IMAMUA anderen weiterhelfen und mein Wissen weitergeben.