Welche Steuern zahle ich als Hair-& Make-up Artist?

Jul 22, 2020

Was lohnt sich? Die Kleinunternehmerregelung oder mit Umsatzsteuer abzurechnen? Welche Steuern gibt es und welchen Betrag muss ich versteuern?

Was lohnt sich? Die Kleinunternehmerregelung oder mit Umsatzsteuer abzurechnen?
Welche Steuern gibt es und welchen Betrag muss ich versteuern?

Hinweis

Da ich keine Steuerberaterin bin, handelt es sich bei den folgenden Ausführungen um meine persönliche Meinung, meine eigenen Erfahrungen und einer intensiven Recherche. Es handelt sich nicht um eine Rechts- oder Steuerberatung.

Was lohnt sich? Die Kleinunternehmerregelung oder mit Umsatzsteuer abzurechnen?

Bevor ich dir diese Frage beantworte, befassen wir uns kurz mit der Bedeutung der Begriffe Umsatzsteuer, Kleinunternehmer und absetzbare Ausgaben.

Umsatzsteuer

Als Unternehmer darfst du die inkludierte Umsatzsteuer (auch Mehrwertsteuer genannt) von deinen eingekauften Waren oder beanspruchten Dienstleistungen beim Finanzamt angeben und eine Rückerstattung erhalten. Das heißt, dass du nur den Nettopreis bezahlst und somit 19 % günstiger einkaufst. Allerdings musst du auch auf deine Dienstleistung die Umsatzsteuer aufschlagen. Das bedeutet, wenn du 100 Euro vom Kunden erhalten möchtest, liegt der Bruttopreis bei 119 Euro. Diese 19 Euro Umsatzsteuer gibst du im Rahmen einer Voranmeldung beim Finanzamt an. Dabei wird aufgerechnet, wie viel Umsatzsteuer du eingenommen und wie viel du selbst bezahlt hast. Die Differenz wird erstattet bzw. von deinem Konto eingezogen. Hast du also mehr Ausgaben als Einnahmen wird dir die Differenz gutgeschrieben. Das ist die sogenannte Umsatzsteuervoranmeldung, die entweder monatlich, vierteljährlich oder halbjährlich abgegeben wird.

Die Kleinunternehmerregelung (KU)

Das ist eine freiwillige Sonderregelung für Selbstständige, die weniger als 22.000 Euro (seit 2020) an Einnahmen pro Jahr haben. Unternehmer können sich also von der Umsatzsteuer befreien lassen. Das mit den Ausgaben und Einnahmen ist dann genauso wie als Endverbraucher. Das heißt, du bezahlst beim Einkauf ganz normal die Umsatzsteuer und schlägst keine 19 % bei deinen Preisen auf. Durch diese Regelung kannst du im Vergleich zu einem Selbstständigen mit Umsatzsteueroption entweder günstiger sein oder mehr Gewinn machen. Das liegt ganz bei dir. Arbeitest du jedoch mit anderen Unternehmen zusammen, gibt es keinen Vorteil gegenüber dem normalen Gewerbetreibenden mit der Umsatzsteueroption. Denn andere Unternehmen können selbst auch die Umsatzsteuer vom Finanzamt wieder zurückholen und zahlen nur den Nettopreis. Außerdem solltest du genau mit deinen absetzbaren Ausgaben und prognostizierten Einnahmen berechnen, welche der beiden Regelungen wirklich für dich sinnvoll sind.

Eine Kleinunternehmerregelung hat nichts mit der nebenberuflichen Tätigkeit zu tun.

Fälschlicherweiße wird oft automatisch davon ausgegangen, dass bei einem Nebengewerbe die Umsatzsteuerbefreiung logisch sei. Jedoch kann auch eine nebenberuflich Selbstständige hohe Ausgaben haben und somit besser mit der Umsatzsteuerpflicht fährt.

Deine absetzbaren Ausgaben

Nicht nur die eingekauften Waren darft du in deinen Ausgaben berücksichtigen, sondern auch allgemeine Investitionen für dein Geschäft. Manchmal nicht komplett, aber zumindest zu einem bestimmten Prozentsatz darf man zusätzliche Ausgaben absetzen. Hier mal ein paar Beispiele:

  • Deine Ausbildung als Hair-& Make-up Artist
  • Deine Handy- und Internetrechnungen können zu einem bestimmten Prozentsatz angerechnet werden
  • Kilometergeld, wenn du für einen Auftrag mobil unterwegs bist
  • Speßen, wenn du länger als 8 Stunden bei einem Auftrag warst
  • Restaurantbelege, wenn du mit deiner Kundschaft oder Kooperationspartnern einen Termin hattest.
  • Wenn du einen neuen Laptop oder Drucker brauchst, kannst Du diesen ebenfalls anteilig absetzen
  • Porto, Papier,Ordner und andere Büroartikel
  • Arbeitsraum ink. Möbel, anteilige Miet- und Stromkosten, insfofern du einen separaten Raum in deiner Wohnung hast.
  • Fachlektüre, also Zeitschriften und Bücher
  • Weiterbildungen
  • u.v.m.

Du setzt dann deine tatsächlichen Ausgaben ab, also eine Selbstständige mit Umsatzsteueroption gibt die Nettoausgaben an, da die Umsatzsteuer direkt vom Finanzamt verrechnet wurde. Der Kleinunternehmer gibt die Bruttopreise an, weil er die Mehrwertsteuer bezahlen musste.

Welche weiteren Steuern kommen auf mich als Hair- & Make-up Artist zu?

Die Einkommenssteuer

Spätestens am Jahresende wirst du alle Ausgaben addieren und die dazugehörigen Belege kopieren und sortieren. Auch die Einnahmen werden zusammengerechnet und die Ausgaben werden abgezogen. Was unterm Strich rauskommt, ist dein Gewinn vor Steuern oder auch das sogenannte zu versteuernde Einkommen. Aber keine Sorge erst ab ca. 9000 Euro Gewinn zahlt man Steuern. Denn als Alleinstehende hat man einen Freibetrag im Jahr 2020 in Höhe von 9.408 Euro. Also erst ab einen Gewinn von 9.409 Euro zahlst Du auf diesen einen Euro Steuern. Wie viel kannst einfach aus der online verfügbaren EKst.- Grundtabelle entnehmen.

+ Solidaritätszuschlag

Zusätzlich zur Einkommenssteuer werden auch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag (kurz: Soli) abgezogen. Der Soli berechnet sich aus dem Betrag der zu zahlenden EKst. Ab 2021 wird diese Abgabe aber weitestgehend wegfallen. 90 % der Steuerzahler werden dann befreit, denn erst ab einem Bruttojahresgehalt von über 73.000 wird teilweise der Soli abgezogen.

Kirchensteuer

Auch auf deinen Betriebsgewinn musst du deine Kirchensteuer abführen.

Gewerbesteuer

Bei der Gewerbesteuer liegt der Freibetrag bei 24.500 Euro. Daher zahlt man in den ersten Jahren seiner Gründung meist gar keine Gewerbesteuer. Den Steuersatz hierzu legt die Gemeinde mit einem sogenannten Hebelsteuersatz fest. Daher ist er von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich.
Selbst große Unternehmen drücken ihren Gewinn durch weitere Geschäftsausgaben, sodass möglichst wenig zu versteuern ist. Um die Freibetragsgrenze von 24.500 Euro zu erreichen, bedarf es bei ca. 15.000 Euro Ausgaben einen Umsatz von über 40.000 oder mehr. Wobei 15.000 Euro Betriebsausgaben wirklich sehr wenig sind (Ohne Investitionen, kein Studio,…)

Auf welchen Betrag zahlt man Steuern?

Einnahmen (Summe aller Rechnungen, Kleinunternehmer: Netto, Unternehmer: Netto)

– Ausgaben (Summe aller Ausgaben. Kleinunternehmer: Brutto, Unternehmer: Netto)
____________________

= Gewinn vor Steuern

-Freibetrag

____________________

= zu versteuerndes Einkommen

 Mein Learning: Zwei Rücklagekonten, eines für die Umsatzsteuer und das zweite für Einkommenssteuer bilden und lieber überlegen, wie ich an mehr Aufträge komme. Einfach langfristig denken.

Ich habe mein Geschäftskonto bei Kontist. Bei dieser Bankingapp kann ich direkt die Einnahmen in folgende Kategorien einteilen:

Geschäftsausgabe mit 19 %
Geschäftsausgabe mit 7 %
Geschäftsausgabe mit 0 %
Privatentnahme

Kontist bucht daraufhin direkt die Umsatzsteuer auf das Rücklagekonto. Außerdem habe ich eingerichtet, dass automatisch 20 % auf das Steuerrücklagenkonto fließen.

So sehe ich immer direkt, was wirklich mir gehört. Meistens benötige ich dann doch nicht meine 20 % Rücklage für die Steuer und freue mich dann. Wenn du dich für diese kostenlose Bank interessierst, dann nutze gerne den folgenden Link, so erhalten wir beide 50 Euro als Dankeschön: Mehr Infos zu Kontist